
Wirtschaft ist bunt, Wirtschaft ist aufregend, ansteckend, engergiegeladen – wenn man sich traut!
Mit diesem Credo begeisterte die Unternehmensberaterin und Bestsellerautorin Anja Förster die siebzig Teilnehmer des Praxisseminars „Alles außer gewöhnlich“, das im Rahmen der 2005 von der Select GmbH ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe PCC | Personal Competence Center im Siemens Technopark Bruchsal stattfand. Die Querdenkerin der ersten Stunde entschlüsselt Erfolgsstrategien außergewöhnlich erfolgreicher Menschen und Unternehmen. Bei diesem Praxisseminar am 23. Oktober 2008 zeigte Anja Förster auf, wie wirklich jeder mit Leidenschaft und Mut zum Blick über den Tellerrand diese Denkweisen im Berufsalltag für sich nutzen kann. Abgerundet wurde dieses Feuerwerk an Inspiration von erfolgreichen Personalkonzepten für Hochleistungsführung, die Claudia Reinpold im Anschluss aus ihrer langjährigen Berufspraxis als Personalentwicklerin bei der Daimler AG vorstellte.

„Haben Manager mehr Grips als Mäuse?“ Anja Förster hält sich nicht mit gängigen Managementweisheiten auf, sie geht ans Eingemachte, stellt die Dinge auf den Kopf, provoziert. Anja Förster ist selbst genau das, was sie den Teilnehmern ihrer Seminare rät zu sein, wollen sie aus der Masse des Mittelmaßes herausstechen: außergewöhnlich erfolgreich, leidenschaftlich bei der Sache und erfrischend anders. Das ist der Grund, warum die Unternehmensberaterin, vormals Managerin bei Accenture, mit ihrer inspirierenden Art so ansteckend wirkt, warum sie ihr Wissen so glaubwürdig und nachhaltig an den Mann und die Frau bringt.
Anhand eines Experimentes, bei dem die Lernfähigkeit von Mäusen in Bezug auf das Finden von Käsestücken in einem von vier Tunneln unter Beweis gestellt wurde, erklärte Frau Förster sehr anschaulich die Tücken von Lern- und Berufserfahrung. Denn hat die Maus einmal verstanden, wo der Käse ist, läuft sie immer wieder schnurstracks in den Tunnel, wo der Leckerbissen sich befindet. Sie ist zufrieden und glücklich, sie hat Erfolg. Doch wenn sie einmal den Käse nicht mehr in dem gewohnten Tunnel findet, läuft sie ziellos herum, ist orientierungslos und – gibt auf. Diesem Phänomen, wissenschaftlich auch Channel-4-Syndrom genannt, fallen heute noch viele Manager anheim. Ein solches Verhalten liefert eine klare Antwort auf die eingangs von Anja Förster gestellte Frage: NEIN, in dem Fall nicht. Und führen unweigerlich zu einer These, die Frau Förster als essentiell für alle weiteren Aussagen bei ihrem Plädoyer für den Erfolg durch intelligenten Regelbruch empfindet: Alles, was Sie in der Vergangenheit erfolgreich gemacht haben, wird Sie in Zukunft nicht weiter bringen. Was das für den Berufsalltag bedeutet, demonstriert sie in ihrem mitreißenden Vortrag: Mit provokanten „Arbeitsanweisungen“ stellt sie so manche alt gediente Errungenschaft und Methode aus der Wirtschaft in Frage und regt zum Querdenken an.
Vergessen Sie Benchmarking!
Ein bewährtes und vielseits beliebtes Mittel der Unternehmensentwicklung und Ideenfindung ist das Benchmarking. Damit ist das Vergleichen von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen im eigenen Unternehmen oder in der eigenen Branche gemeint mit dem Ziel, Potenziale für das Unternehmen aufzudecken. „Wenn Sie so gut wie jeder andere aus Ihrer Branche sein wollen, dann nur zu: Betreiben Sie Benchmarking“, fordert Anja Förster die Zuhörer auf. Unternehmen, die wirklich vorankommen und Neues wagen wollen, rät Frau Förster, sich mit branchenfremden Unternehmen oder gar „nicht-wirtschaftlichen“ Disziplinen wie Architektur, Kunst oder der Wissenschaft zu messen. Erst dann lässt sich die buchstäbliche Bedeutung des Benchmarking, das Maßstäbe setzen, wirklich erreichen. Dann können Unternehmen das erreichen, was als Einziges erstrebenswert und Erfolg versprechend ist und Frau Förster so auf den Punkt bringt: „Seien Sie lieber eine erstklassige Version Ihrer selbst als eine zweitklassige Kopie des Besten“.
Schauen Sie über den Tellerand!
„Brechen Sie aus aus dem vertrauten Kreislauf und suchen Sie andere Unterscheidungskriterien als den Preis!“ fordert Anja Förster. „Suchen Sie nach Wegen, die noch keiner vor Ihnen gegangen ist. Nur dann vermeiden Sie die Frage, wo man das noch billiger haben kann. Denn das gibt es nirgendwo anders.“ Ausreden wie „mit einem Produkt wie diesem geht das nicht“ lässt Anja Förster nicht gelten. „Wenn man es schafft, aus einem supergünstigen Massengut wie einer Gewürzgurke mit einem Stückpreis von 12 Cent einen gesunden Snack für 2 Euro zu machen – wo bitte ist Ihre Entschuldigung, dass das mit Ihrem Produkt nicht geht?“ fasst Frau Förster zusammen.
Was Dir am Besten gelingt, wird Dir zur Falle. Paul Valérie
Alle Innovationen beginnen mit der richtigen Frage, dem Mut sie zu stellen und dann zu handeln. Im Falle unserer Gurke wäre das diese: Wie kann ich den Preis einer Gurke von 12 Cent auf 2 Euro heben? Hilfreich ist immer zu überlegen, ob es Unternehmen gibt, die eine Frage dieser Art bereits erfolgreich gelöst haben. Der erfolgreiche Gurken-Innovator, das Unternehmen Spreewaldkonserve Golßen GmbH mit der Gurke in der Dose „GET ONE“ (www.spreewaldhof.de) hat sich bei seiner Lösung an die Erfolgsgeschichte von Red Bull angelehnt, das ebenfalls per se ein Billig-Produkt ist und emotional aufgeladen pro Dose auf ungefähr 2 Euro kommt.
Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmen NETJETS (www.netjets.com), das nach dem Prinzip des Car-Sharing oder des House-Sharing bei Ferienwohnungen Privatjets für Businessflüge vermietet und auf diese Weise die Auslastung der teuren Flugzeuge optimiert.
Attackieren Sie branchenübliche Überzeugungen und Dogmen!
Wer Neues schaffen will, muss gewohnte Pfade verlassen. Unternehmen sollten die „Gesetze“ und Gepflogenheiten ihrer Branche genau definieren und unter die Lupe nehmen. Denn nur dann kann man sie brechen und ihnen entgegengesetzt handeln. Bevor gezielt eine Revolution in Gang gesetzt wird, sollten sich die Macher diese Fragen stellen:
Ist diese Überzeugung wert, in Frage gestellt zu werden?
Ist diese Überzeugung tatsächlich allgemein gültig?
Oder gehört sie zu den vielen Überzeugungen, die deshalb „unverrückbar“ sind, weil „man das immer schon so gemacht hat“?
Inwiefern dient diese Überzeugung ihren Anhängern?
Umgeben Sie sich mit Leuten, die nicht zu Ihnen passen!
„ Bei diesem Punkt ernte ich je nach Publikum Reaktionen von Schmunzeln bis zu Kopfschütteln und völliger Fassungslosigkeit.“ lacht Anja Förster. Die Business-Vordenkerin erzählt, dass ihr bei ihren vielen Unternehmensbesuchen häufig eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen den Mitarbeitern auffällt. Aussehen, Stil und Arbeitseinstellung sind aneinander angepasst. Diese Angepasstheit, auch homosoziale Reproduktion genannt, geht so: „Soll ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden, sucht Wolfgang so lange, nicht bis er den Wolf, sondern bis er den kleinen Wolfgang gefunden hat“, bringt es Anja Förster dieses Phänomen auf den Punkt. „Wichtig ist nur, dass er bei aller Gleichheit immer ein bisschen kleiner und ein bisschen dümmer als Wolfgang ist.“ Damit erreicht man bestenfalls stressfreies Arbeiten, aber nie ein Umfeld, in dem neue Ideen gedeihen können. Denn angepasste Mitarbeiter sind nicht so unbequem wie innovative Persönlichkeiten, die im besten Sinne frech und forsch gängige Überzeugungen in Frage stellen. Die Führungskraft wird erfolgreich sein, die die richtigen Fragen stellt, und die sich mit Leuten umgibt, die ihr diese Fragen beantworten helfen.
Woher kommen gute Ideen? Das ist einfach! Aus Widersprüchen. Kreativität entspringt aus ungewöhnlichen Zusammenstellungen. Die wiederum entstehen am ehesten, wenn wir Altersgruppen, Kulturen und Fachgebiete kräftig mischen!
Nicolas Necroponte, MIT
Nutzen Sie Ihr volles Potential!
Früher waren hauptsächlich Tugenden wie Fleiß und Gehorsam bei der Arbeit gefragt. Erfolgreiche Unternehmer, die auf eine klare Trennung von „denken“ und „machen“ im Job pochten, prägten die Arbeitshaltung und das Arbeitsverständnis im Industriezeitalter. Im Zeitalter der Wissensökonomie jedoch funktioniert das längst nicht mehr. Nun entscheiden Leistungsbereitschaft und Motivation der Mitarbeiter, ihr Bestes zu geben über den Erfolg eines Unternehmens. „Initiative, Kreativität und Leidenschaft sind das, was den Unterschied ausmachen und was Ihre Mitarbeiter täglich als Geschenk zur Arbeit mitbringen – oder auch nicht“, gibt Anja Förster zu bedenken. „Die schlechte Nachricht ist, dass das nicht trainierbar ist. Wichtig ist, dass Sie ein fruchtbares und innovatives Umfeld für Ihre Mitarbeiter schaffen.“
Warum kommt dauernd ein Gehirn mit, wenn ich nur um ein paar Hände gebeten habe?
Henry Ford

Was den Unterschied macht
Leidenschaft 120 %
Kreativität 100 %
Initiative 80 %
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Intelligenz 60 %
Sorgfalt 40 %
Gehorsam 20 %
Nutzen Sie den Madonna-Effekt!
Ein Geheimnis außergewöhnlich erfolgreicher Menschen und Unternehmen ist, dass sie sich ständig neu erfinden, ohne ihren wahren Charakter zu verleugnen. „Schauen Sie sich Madonna an: Sie ist seit 25 Jahren top im überaus harten Musikgeschäft“, regt Anja Förster an. „Wie der Name ihrer letzten Tour REINVENTION schon sagt, erfindet sie sich ständig neu. Und zwar auf dem Gipfel ihres Erfolg und ohne Garantie auf Erfolg!“ Ausreden wie „Wie soll ich das machen, ich bin doch aber ein kleines Licht“ und „Ich habe doch keine Macht, was zu bewegen“ gelten laut Frau Förster nicht. Denn wirkliche Veränderungen passieren nie von oben herab. Allen echten Revolutionären wie Ghandi oder Martin Luther King ist gemeinsam, dass sie keine formale Macht hatten. Dafür umso mehr Leidenschaft, Persönlichkeit und eine Vision, die sie hartnäckig verfolgt haben.
Stecken Sie Ihre Ziele hoch!
Allgemeingängigen Überzeugungen nach werden neue Mitarbeiter aufgrund ihrer nachweislich erbrachten Kompetenzen eingestellt. Diese bewährte Vorgehensweise funktioniert. Es sei denn, man möchte überdurchschnittliche Leistungen erreichen. Dann sich Personalchefs und Führungskräfte gut beraten, neben Kompetenzen ebenfalls auf die Präferenzen der Mitarbeiter zu achten. Und das gilt selbstverständlich nicht nur für neue, sondern auch für bereits angestellte Mitarbeiter.

Claudia Reinpold drückt das so aus: „Machen Sie einfach das, was Sie am besten können, leidenschaftlich und gerne tun und der Markt in Zukunft braucht“. Hier stecken einige Tipps für Hochleistungen von Mitarbeitern und Teams drinnen. Es ist weithin bekannt, dass das, was man kann, meist auch gerne tut, sonst würde man es nicht auf Dauer gut machen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass viele ihre Präferenzen nicht explizit kennen und daher auch nicht gezielt leben, geschweige denn weiterentwickeln können. Darin liegt laut Frau Reinpold ein enormes Potenzial, das jeder Einzelne und auch die Unternehmen nutzen sollten, wollen sie Hochleistung erzielen.

Hochleistung mit System
Mit Hilfe eines validen Modells aus der Teamerfolgsforschung lassen sich die Arbeitspräferenzen eines jeden Mitarbeiters feststellen. Das ist nicht nur bei der Weiterentwicklung seiner Berufsziele eine effektive Grundlage, sonder auch bei der Zusammenstellung von Teams. Untersuchungen haben gezeigt, dass in Mitarbeiter dann Hochleistung erbringt, wenn er etwa siebzig Prozent seiner Arbeitszeit mit Aufgaben in seinen ersten drei Präferenzbereichen verbringt. Das ist eine verlässliche Vorgehensweise für Mitarbeiter und Führungskraft gleichermaßen. Denn Präferenzen sind stabil, manifestieren sich höchstens gerade bei Lebensbrüchen oder Krisen.