
Die Stimme hatte ihren großen Auftritt bei diesem fünften Praxisseminar im Personal Competence Center von Select. Die Sprechwissenschaftlerin und Trainerin Anja Oser von PARLA zeigte am 20. November 2007 anhand von Forschungsergebnissen und Beispielen aus der Coaching-Praxis, dass die Stimme ein zentraler Erfolgsfaktor in der Kommunikation und Personalführung ist. Und wie man mit mehr Ausdruck einen bemerkenswerten Eindruck hinterlässt.
Der Mensch sieht, hört und dann erst versteht er. Dass wir die meisten Informationen und Emotionen grundsätzlich über das Auge aufnehmen, bestätigen Forschungsergebnisse aus der Sprachwissenschaft: Unsere Wirkung auf andere wird bestimmt zu 55 Prozent von Körpersprache und Aussehen, zu 38 Prozent von Stimme und Sprechtechnik und zu 7 Prozent von Inhalt und Sprache.
Um wirkungsvoll und überzeugend zu kommunizieren, muss der gesamte Auftritt in sich stimmig und glaubwürdig sein. Aussage (Inhalt und Sprache) und Ausdruck (Körpersprache und Stimme) müssen zueinander passen, damit der Inhalt der Botschaft optimal transportiert wird. Denn das ist das Ziel. Die genannten sieben Prozent gelten nur für unstimmige Botschaften, wenn also Körpersprache oder Stimme vom Inhalt ablenken oder widersprüchlich erscheinen.
Der Mensch lässt sich in erster Linie auf der Gefühlsebene überzeugen. Körpersprache und Stimme transportieren Emotionen und spiegeln die Persönlichkeit wider. Sprache transportiert Inhalt und ist die rationale Begründung für Wirkung. Sie reicht nicht aus, um zu überzeugen, denn sie hat den geringsten Anteil daran.
Unsere Stimme ist Ausdruck unserer Persönlichkeit. Sie wird von unserer Persönlichkeit beeinflusst; kennen wir uns also selbst, können wir Einfluss auf unsere Stimme nehmen. „Die Art zu sprechen, hat was mit eigenen Erfahrungen und Temperament zu tun”, betont Frau Oser und führt als Beispiel an: „Wer sich im Job durchbeißen muss oder bei wem Offenheit als Eigenschaft nicht positiv besetzt ist, hat eine geschlossene Sprechweise. Das richtige Artikulieren fällt dann schwer, das Reden wirkt gepresst.”
Extrem wichtig ist es, die Emotionalität in der Stimme spürbar zu machen und dem gewünschten Zweck anzupassen. Besonders bei bevorstehenden schwierigen Telefongesprächen hat es sich bewährt, sich den Gesprächspartner in einer bestimmten Situation vorzustellen und sich so auf das Gespräch einzustimmen. „Eine Call-Center-Agentin erzählte, dass sie sich Ihr Gegenüber am Telefon gut riechend und gut aussehend vorstellt”, schmunzelt Frau Oser. „Damit bekommt ihre Stimme einen leicht flirtenden Klang. Das kommt gut rüber, denn das wirkt sehr interessiert.” Es zeigt, wie wichtig und wirkungsvoll die innere Haltung für die Stimme ist. Auch eine natürliche Gestik trägt dazu bei. Sie erleichtert die Betonung, denn Gestik stimuliert das Zwerchfell.
© Selectgruppe, November 2007